Die Frage klingt nach einer Antwort mit einem Namen. Tatsächlich stecken drei Fragen darin: Wer ist als Erster für Jesus gestorben? Wem hat Jesus als Erstem den Himmel versprochen? Und wen hat ein Papst als Ersten offiziell heiliggesprochen? Die drei Antworten heißen Stephanus, der gute Schächer und Ulrich von Augsburg. Der Dritte war Bischof in Augsburg.
Oft meint ein Kind noch eine vierte: „Wer war zuerst im Himmel?“ Auch darauf gibt es eine ehrliche Antwort, nur nicht die erwartete.
Die Kennzeichnung im Text: Schrift bei einem Bibelwort, Geschichte bei Dokumenten, datierten Ereignissen und dem Katechismus, Tradition bei dem, was über Jahrhunderte erzählt, aber nicht belegt ist.
Warum gibt es keine einzige Antwort?
Im ersten Jahrtausend hat niemand Heilige „gemacht“. Die Verehrung konzentrierte sich seit der frühen Kirche meist am Grab, und die ersten Verehrten waren die Märtyrer (Breitschnig, Universität Innsbruck). Jahrhundertelang wurde ein Verstorbener nur vom Ortsbischof „heiliggesprochen“, und weil ein Bischof nur für seine Diözese zuständig ist, blieb die Verehrung örtlich (Aleteia). Geschichte Eine päpstliche Heiligsprechung ist erst vom Ende des 10. Jahrhunderts belegt. Deshalb zerfällt die Frage:
| Frage | Antwort | Wann | Woher wir es wissen |
|---|---|---|---|
| Wer starb als Erster für Jesus? | Stephanus | 1. Jahrhundert, Jerusalem | Apg 6–7 Schrift |
| Wem versprach Jesus als Erstem das Paradies? | dem guten Schächer (Überlieferung: Dismas) | Karfreitag | Lk 23,39–43 Schrift |
| Wen sprach ein Papst als Ersten heilig? | Ulrich von Augsburg, durch Johannes XV. | 993 | Urkunde Geschichte |
| Wer war zuerst bei Gott? | Die Bibel sagt es nicht. Die Kirche verehrt auch Heilige des Alten Testaments. | KKK 61 Geschichte |
Der erste Märtyrer: Stephanus
Die griechischsprachigen Christen in Jerusalem beklagten sich, dass ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen würden. Die Apostel ließen deshalb „sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“ wählen (Apg 6,3, Einheitsübersetzung). Einer von ihnen war Stephanus. Schrift Das Wort „Diakon“ steht dort nicht, nur der „Dienst an den Tischen“; dass die Sieben Diakone waren, ist die Deutung der frühen Kirche. Tradition
Vor dem Hohen Rat angeklagt, hielt Stephanus eine lange Rede und sagte am Ende: „Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.“ Man trieb ihn zur Stadt hinaus und steinigte ihn. „Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß“, also des späteren Apostels Paulus. Sterbend betete Stephanus: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!“ Dann sank er in die Knie und schrie laut: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apg 7,56–60, Einheitsübersetzung) Schrift
Woher kommt der Titel „erster Märtyrer“? Aus der Apostelgeschichte selbst: Stephanus ist der erste Jünger, dessen Tod für den Glauben das Neue Testament erzählt. Das Martyrologium Romanum, das amtliche Heiligenverzeichnis der Kirche, nennt ihn am 26. Dezember den Protomartyr, den ersten der Jünger des Herrn, der in Jerusalem sein Blut vergoss (Martyrologium Romanum, 26. Dezember; englischer Text über Magisterium AI). Geschichte Kein Papst hat ihm diesen Titel verliehen. Er ist älter als jedes Verfahren.
Warum am 26. Dezember? Die Kirche hat den ersten Blutzeugen, wie Vatican News schreibt, „direkt an das, ja in das Christfest eingerückt“. Verehrt wurde er im Osten ab dem 4., im Westen ab dem 6. Jahrhundert. Seit 2003 ist der Stephanstag in Deutschland außerdem ein Tag des Gebets für verfolgte Christen (Vatican News). Geschichte Im Brauchtum gilt er als ältester Pferdepatron (Austria-Forum). Tradition Eine Geschichte für die Fahrt zu Oma am zweiten Feiertag: Am Tag nach Christi Geburt feiert die Kirche einen Mann, der sterbend für seine Mörder betete.
Der Erste, dem Jesus das Paradies versprach: der gute Schächer
Lukas erzählt von zwei Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden. Einer verhöhnt ihn. Der andere weist ihn zurecht: „Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.“ Dann sagt er: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Und Jesus antwortet: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,39–43, Einheitsübersetzung) Schrift
Kein anderer Mensch in den Evangelien bekommt diese Zusage. Daher der Satz, Jesus habe ihn „selbst heiliggesprochen“. Das ist ein Predigtbild, kein Begriff der Kirche: Heiligsprechung ist ein Akt der Kirche, das Wort Jesu ist mehr als das.
Der Name. Das Evangelium nennt keinen. Die Namen Dysmas und Gestas stammen aus dem apokryphen Nikodemusevangelium, das vermutlich im 4. oder frühen 5. Jahrhundert entstand (WiBiLex). Tradition Der Gedenktag. Das Martyrologium Romanum gedenkt seiner am 25. März, dem Hochfest der Verkündigung, als des Schächers, der Christus am Kreuz bekannte und von ihm hören durfte: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Martyrologium Romanum, 25. März; englischer Text über Magisterium AI). Geschichte
Für Kinder ist das die wichtigste der drei Antworten. Von diesem Mann kennen wir keine einzige gute Tat. Er hat nur die Wahrheit über sich gesagt und um etwas gebeten. Den Satz, den ein Kind daraus mitnehmen kann: Es ist nie zu spät.
Die erste belegte päpstliche Heiligsprechung: Ulrich von Augsburg, 993
Ulrich wurde um 890 geboren, erhielt am 28. Dezember 923 die Bischofsweihe für Augsburg und starb dort am 4. Juli 973. Im Jahr 955 verteidigte er die belagerte Stadt gegen die Ungarn, bevor König Otto I. sie am 10. August in der Schlacht auf dem Lechfeld besiegte (Neue Deutsche Biographie). Geschichte Wie groß sein Anteil am Sieg wirklich war, ist unsicher; zur Legende wurde er trotzdem (Sonntagsblatt). Tradition
Zwanzig Jahre nach seinem Tod bat sein Nachfolger, Bischof Liutold, bei einer Versammlung im Lateran darum, ein Buch über Ulrichs Leben und Wunder vorzulesen. Die Versammlung fand am 31. Januar statt, die Urkunde von Papst Johannes XV. ist auf den 3. Februar 993 datiert (Hägele, Universitätsbibliothek Augsburg). Die Neue Deutsche Biographie hält fest, Ulrich „gilt … als der erste von einem Papst kanonisierte Heilige“; die ältere Allgemeine Deutsche Biographie nennt die Heiligsprechung auf der Lateransynode „der erste Fall dieser Art“ (Deutsche Biographie). Geschichte
Was Sie wissen sollten, bevor das Schulkind es im Internet findet. Ganz unumstritten ist der Titel nicht. Manche Historiker nennen einen früheren Fall, Suitbert im Jahr 804; für Aleteia ist Ulrich der erste unbestrittene Fall einer päpstlichen Heiligsprechung (Aleteia). Der richtige Satz lautet also: Ulrich ist die erste belegte päpstliche Heiligsprechung, nicht „der erste Heilige“. Geschichte
Ulrich ist Bistumspatron von Augsburg; Ulrichskirchen gibt es zwischen Mittelfranken und Tirol, sein Grab liegt in der Basilika St. Ulrich und Afra (Sonntagsblatt). Sein Gedenktag ist der 4. Juli (Martyrologium Romanum).
Seit wann entscheidet der Papst, und wie geht es heute?
1171 behielt Papst Alexander III. mit der Dekretale Audivimus die Erlaubnis zur öffentlichen Verehrung dem Apostolischen Stuhl vor; für die ganze Kirche verbindlich wurde das 1234 mit den Dekretalen Gregors IX. Heute gilt die Apostolische Konstitution Divinus perfectionis Magister vom 25. Januar 1983 (Misztal 1996, S. 91 f. und 101). Geschichte Ein Verfahren beginnt frühestens fünf Jahre nach dem Tod. Erkennt der Papst den heroischen Grad der Tugenden an, heißt der Kandidat „ehrwürdig“; für die Seligsprechung braucht es meist ein Wunder (ein Märtyrer braucht keines), für die Heiligsprechung ein zweites (Vatican News). Geschichte Was das Ganze bedeutet, sagt der Katechismus in einem Satz: „Wenn die Kirche gewisse Gläubige heiligspricht, das heißt feierlich erklärt, daß diese die Tugenden heldenhaft geübt und in Treue zur Gnade Gottes gelebt haben, anerkennt die Kirche die Macht des Geistes der Heiligkeit, der in ihr ist.“ Sie gibt den Gläubigen die Heiligen „als Vorbilder und Fürsprecher“ (KKK 828). Geschichte
Ein Beispiel aus jüngster Zeit kennen manche Kinder aus dem Religionsunterricht: Papst Leo XIV. sprach am 7. September 2025 auf dem Petersplatz Carlo Acutis und Pier Giorgio Frassati heilig. Carlo erkrankte mit 15 Jahren an Leukämie, starb 2006 und hatte im Internet Informationen über eucharistische Wunder gesammelt (evangelisch.de). Geschichte Ulrich verteidigte eine Stadt, Carlo betrieb eine Webseite, und die Kirche sagt über beide denselben Satz.
Sind Abel, Abraham und Mose Heilige?
Ja, und das ist keine fromme Übertreibung. Der Katechismus sagt: „Die Patriarchen, die Propheten und weitere große Gestalten des Alten Testamentes wurden und werden“ in allen liturgischen Überlieferungen der Kirche als Heilige verehrt (KKK 61). Geschichte Das Martyrologium gedenkt am 9. Oktober des heiligen Abraham, des Patriarchen und Vaters aller Glaubenden (Martyrologium Romanum, 9. Oktober, zitiert bei Aleteia). Heiliggesprochen hat sie niemand; sie stehen im Kalender, weil die Kirche glaubt, dass sie bei Gott sind.
Abel steht im Hebräerbrief an der Spitze der großen Glaubenden: „Aufgrund des Glaubens brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain“, und Gott bestätigte, dass er gerecht war (Hebr 11,4, Einheitsübersetzung). Schrift Sein Name fällt in jeder Messe mit dem Ersten Hochgebet: Im Römischen Kanon bittet der Priester Gott, die Gaben anzunehmen: „wie einst die Gaben deines gerechten Dieners Abel, wie das Opfer unseres Vaters Abraham“ (Römisches Messbuch, Erstes Hochgebet). Geschichte Falls in Ihrer Gemeinde das Erste Hochgebet gebetet wird: Achten Sie mit Ihrem Kind auf den Namen Abel.
Johannes der Täufer steht an der Schwelle: Jesus selbst sagt über ihn: „Unter den von einer Frau Geborenen gibt es keinen größeren als Johannes; doch der Kleinste im Reich Gottes ist größer als er“ (Lk 7,28, Einheitsübersetzung). Schrift
Maria. Von ihr glaubt die Kirche, dass sie „nach Vollendung des irdischen Lebenslaufs mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen“ wurde (KKK 966). Geschichte Eine Reihenfolge des Himmels nennt die Bibel aber nicht, und das darf man einem Kind genau so sagen.
Was heißt „heilig“? Sätze für Ihr Kind
3 bis 6 Jahre
- „Ein Heiliger ist jemand, der Gott und die Menschen sehr lieb hatte und jetzt bei Gott im Himmel ist.“
- „Stephanus ist als Erster für Jesus gestorben. Beim Sterben hat er Gott gebeten, den Leuten nicht böse zu sein, die ihm wehgetan haben.“
- „Der Mann am Kreuz neben Jesus hat gesagt: Denk an mich. Und Jesus hat gesagt: Heute noch bist du bei mir.“
7 bis 12 Jahre
- „Heiligsprechen heißt nicht heilig machen. Heilig ist jemand, weil er bei Gott ist. Der Papst sagt es nach einer langen Prüfung nur laut und sicher.“
- „Der Erste, den ein Papst mit einer Urkunde heiliggesprochen hat, war ein Bischof aus Augsburg, Ulrich, im Jahr 993. Stephanus, Petrus und Abraham waren schon lange vorher Heilige, ganz ohne Urkunde.“
Fragen, die Kinder wirklich stellen
- Kann ich ein Heiliger werden? Ja. Die Tugenden heldenhaft üben und in Treue zur Gnade leben (KKK 828) ist nicht für Bischöfe und Ordensschwestern reserviert. Für ein Kind: „Du bist große Schwester? Dann kannst du heilig sein, indem du teilst.“
- Ist Opa ein Heiliger? „Ganz sicher wissen wir es nicht, aber darum beten wir. Im Himmel gibt es viel mehr Heilige als im Kalender.“ Die Heiligen im Himmel festigen nach dem Katechismus die ganze Kirche „stärker in der Heiligkeit“ (KKK 956); ein „Heiliger Stephanus, bitte für uns“ passt deshalb gut ins Abendgebet.
- Wer kam zuerst in den Himmel? „Das steht nicht in der Bibel. Aber sie sagt, wem Jesus es als Erstem versprochen hat: dem Mann am Kreuz neben ihm.“
Spickzettel: Wer war der Erste?
Für den Kühlschrank, das Auto oder die Mappe aus dem Kommunionunterricht. Bei jeder Antwort steht, woher wir sie wissen.
| Frage | Antwort | Quelle | Art |
|---|---|---|---|
| Erster Märtyrer | Stephanus, gesteinigt in Jerusalem | Apg 7,54–60; Martyrologium, 26. Dezember | Schrift |
| Erster, dem Jesus das Paradies versprach | der gute Schächer am Kreuz | Lk 23,43 | Schrift |
| Name des guten Schächers | Dismas (Dysmas) | Nikodemusevangelium, apokryph | Tradition |
| Erste belegte päpstliche Heiligsprechung | Ulrich von Augsburg, durch Johannes XV., Versammlung 31. Januar, Urkunde 3. Februar 993 | NDB, ADB, Urkunde | Geschichte |
| Früherer, umstrittener Fall | Suitbert, 804 | einzelne Historiker | Geschichte, umstritten |
| Heiligsprechung beim Papst | Alexander III., Audivimus, 1171; verbindlich 1234 (Dekretalen Gregors IX.) | Kirchenrechtsgeschichte | Geschichte |
| Heiligsprechung aus jüngster Zeit | Carlo Acutis und Pier Giorgio Frassati, 7. September 2025 | Berichte vom Tag | Geschichte |
| Heilige des Alten Testaments | Abraham (9. Oktober), Abel im Ersten Hochgebet | KKK 61, Martyrologium | Geschichte |
Fünf Fragen für den Familientisch
- Was sagte Stephanus beim Sterben über die Leute, die Steine warfen?
- Was antwortete Jesus dem guten Schächer, und welches Wort benutzte er für das Wann?
- In welchem Jahr hat ein Papst Bischof Ulrich heiliggesprochen, und aus welcher Stadt kam Ulrich?
- Ist Abraham ein Heiliger, obwohl er vor Jesus gelebt hat?
- Was tut der Papst bei einer Heiligsprechung: Macht er jemanden heilig oder erklärt er es?
Antworten: 1. „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apg 7,60). 2. „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“, das Wort heißt „heute“ (Lk 23,43). 3. 993, aus Augsburg. 4. Ja, KKK 61 sagt es, und sein Gedenktag ist der 9. Oktober. 5. Er erklärt es: Die Kirche erkennt an, dass jemand bei Gott ist, und gibt ihn uns als Vorbild und Fürsprecher (KKK 828).
Stephanus kommt jedes Jahr direkt nach dem Christfest; wie Sie den Heiligen Abend mit Krippe und Christmette gestalten, steht im Beitrag Krippe und Christmette. Und wer nach dem ersten Heiligen den bekanntesten kennenlernen will: Nikolaus: Wer war er wirklich?
Wenn Ihr Kind fragt, warum immer noch neue Heilige dazukommen: weil die Liste nicht abgeschlossen ist.
Stand: Oktober 2026. Bibelzitate nach der Einheitsübersetzung 2016; Katechismus nach der deutschen Ausgabe auf vatican.va; Erstes Hochgebet nach dem Römischen Messbuch (über Magisterium AI); Einträge des Martyrologium Romanum über Magisterium AI abgefragt (englischer Text), der 9. Oktober auch bei Aleteia.

Eryk Panter
Ich mache HOSANNA! mit meiner Familie, an unserem eigenen Tisch. Ich schreibe die Regeln, wühle in den Quellen und arbeite an den Bildern; die Kinder spielen zuerst und sagen mir offen, was nicht funktioniert. Hier schreibe ich, was ich als Vater gesucht habe: wie man mit Kindern über die Heiligen spricht — konkret, mit Quellen und ohne Zuckerguss.
Häufige Fragen
Wer war der erste Heilige der katholischen Kirche?
Das hängt davon ab, was man mit „erster“ meint. Der erste Märtyrer war Stephanus (Apg 6–7). Der Erste, dem Jesus das Paradies versprach, war der gute Schächer (Lk 23,43). Der erste Heilige, von dem wir wissen, dass ein Papst ihn heiliggesprochen hat, war Ulrich von Augsburg, 993 durch Papst Johannes XV. Vor 993 gab es schon viele Heilige, nur ohne päpstliche Urkunde.
Wer war der erste christliche Märtyrer?
Stephanus, einer der Sieben, die in der Jerusalemer Gemeinde für die Versorgung der Witwen gewählt wurden. Die Apostelgeschichte erzählt, wie er gesteinigt wurde und dabei für seine Mörder betete: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apg 7,60). Sein Fest ist der 26. Dezember, der zweite Weihnachtsfeiertag.
Wann war die erste Heiligsprechung?
Die erste belegte päpstliche: 993. Auf einer Versammlung im Lateran am 31. Januar 993 wurde Bischof Ulrich von Augsburg auf Bitten seines Nachfolgers Liutold heiliggesprochen, die Urkunde von Papst Johannes XV. ist auf den 3. Februar datiert. Die Neue Deutsche Biographie nennt Ulrich den ersten von einem Papst kanonisierten Heiligen. Manche Historiker verweisen auf einen früheren, umstrittenen Fall: Suitbert im Jahr 804.
Ist der gute Schächer ein Heiliger?
Ja. Das Martyrologium Romanum gedenkt seiner am 25. März. Der Name Dismas steht nicht im Evangelium, sondern im apokryphen Nikodemusevangelium. Dass Jesus ihn „selbst heiliggesprochen“ habe, ist ein Satz aus Predigten, kein Begriff der Kirche.
Sind Abraham, Mose und Abel Heilige?
Ja. Der Katechismus sagt, die Patriarchen, Propheten und weitere große Gestalten des Alten Testaments wurden und werden in der Liturgie der Kirche als Heilige verehrt (KKK 61). Das Martyrologium gedenkt Abrahams am 9. Oktober. Heiliggesprochen hat sie niemand, das Verfahren entstand erst Jahrhunderte später.
Wie erkläre ich einem Kind, was ein Heiliger ist?
Ein Heiliger ist jemand, der jetzt bei Gott ist und uns weiter lieb hat. Die Heiligsprechung macht niemanden heilig. Mit ihr erklärt die Kirche nach langer Prüfung feierlich, dass jemand die Tugenden heldenhaft geübt hat, und gibt ihn uns als Vorbild und Fürsprecher (KKK 828).
Quellen
Zeichen: [H] — Schrift, Dokument, belegte Tatsache · [T] — Tradition, Legende, Brauch · [N] — Lehre der Kirche · [D] — Studie, Daten.
- HApg 6,1–6, Einheitsübersetzung 2016 (bibleserver.com)
- HApg 7,54–60, Einheitsübersetzung 2016 (bibleserver.com)
- HLk 23,39–43, Einheitsübersetzung 2016 (bibleserver.com)
- HLk 7,28, Einheitsübersetzung 2016 (bibleserver.com)
- HHebr 11,4, Einheitsübersetzung 2016 (bibleserver.com)
- HVatican News: Zweiter Weihnachtstag – hl. Stephanus (Dezember 2017)
- TAustria-Forum, Heimatlexikon: Stephanitag
- TWiBiLex (Deutsche Bibelgesellschaft), J. Röder: Nikodemusevangelium (Dysmas und Gestas)
- HDeutsche Biographie: Ulrich, Bischof von Augsburg (NDB 26, 2016, J. Bölling; ADB 39, 1895, K. Uhlirz)
- HG. Hägele: Die Kanonisationsurkunde vom 3. Februar 993, in: Vita Sancti Udalrici, Universitätsbibliothek Augsburg 1993
- HW. Williams-Krapp: Ulrichslegenden (Lexikonartikel, OPUS Universität Augsburg)
- HSonntagsblatt, T. Lechner: Er prägt Augsburg bis heute – wer war Bischof St. Ulrich? (1.7.2023)
- HAleteia, P. Kosloski: These bishops were the first saints officially canonized by a pope (1.11.2018)
- HH. Misztal: Prawnokanoniczne pojęcie kanonizacji w Kościele zachodnim, Roczniki Nauk Prawnych VI (1996), S. 91–101 (polnisch)
- HVatican News: Selige und Heilige – wie das Verfahren funktioniert (A. Di Bussolo, Juli 2025)
- HK. Breitschnig: Wie wird man ein/e Heilige/r? (Innsbrucker Theologischer Leseraum, 15.6.2003)
- Hevangelisch.de, M. Nowak: Papst spricht Acutis heilig – wenn ein Millennial zum Heiligen wird (8.9.2025)
- NKatechismus der Katholischen Kirche 54–64, darin 61 (vatican.va)
- NKatechismus der Katholischen Kirche 811–870, darin 828 (vatican.va)
- NKatechismus der Katholischen Kirche 946–962: Die Gemeinschaft der Heiligen (vatican.va)
- NKatechismus der Katholischen Kirche 963–975, darin 966 (vatican.va)
- NRömisches Messbuch, Erstes Hochgebet (Römischer Meßkanon): „deines gerechten Dieners Abel“ (über Magisterium AI)
- HAleteia: Abraham has his own feast day on October 9 in the Roman Rite (8.10.2024), Martyrologium Romanum 9. Oktober